Reisebericht von David Osterloh aus Berlin

Reisebericht Gauchotour Trailritt Südbrasilien vom 01.05.-08.05.2006

 

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde . Um dem Wahrheitsgehalt dieser These auf den Grund zu gehen, hatten wir uns hier im Süden Brasiliens eingefunden...die Bianca aus Esslingen, der Martin aus der Schweiz und ich, David aus Berlin. Bianca und ich waren bereits zum 2. Male hier. 2005 bzw. 2003 haben wir uns hier in Santa Catarina im Rahmen der Abenteuer- und Erlebnisreise (Klassiker) als Abenteurer versucht.

Nach einer mehr oder weniger langen Aklimatisierungsphase in Estaleiro wurden wir am Morgen des 01.05. von Max und seinem VW-Bulli zum Busbahnhof von Balneario Camburio gebracht. Die 5 ½-stündige Fahrt ins Landesinnere verging dank des komfortablen und klimatisierten Reisebusses, einiger Pausen und der abwechslungsreichen Landschaft schneller als befürchtet. In Lages angekommen wurden wir abgeholt und zur Fazienda Barreiro gebracht. Der Empfang war an Herzlichkeit kaum zu überbieten. Der Patrone, Laílo, und seine Frau hiessen uns höchtspersönlich willkommen und luden erst einmal zu Kaffee und Kuchen ein.

Nachdem wir unsere schönen Zimmer bezogen hatten, sollte es zur ersten Begegnung von Pferd und Reiter kommen. Mit Spannung, aber auch ein wenig Unbehagen sah ich diesem Moment entgegen. Immerhin hatte ich bis dato nur wenige Stunden auf einem Pferd zugebracht...und das vor Jahren. Als sozusagen blutiger Anfänger plagten mich im Vorfeld der Reise Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung, mehrere Tage zu Pferd auf einem Trail unterwegs zu sein. Was wäre, wenn ich mein Pferd nicht kontrollieren könnte, es mich im Galopp abwirft oder ich den von mir erwarteten heftigen Muskelkater nicht ertragen könnte??? In der Reisebeschreibung wurde zwar explizit auf die Anfängertauglichkeit hingewiesen, jedoch war ich diesbezüglich mehr als skeptisch. Wie sich später herausstellen sollte, waren all meine Ängste und Sorgen gänzlich unbegründet, ja ganz im Gegenteil.... das Galoppieren wurden zu meiner absoluten Lieblingsgangart und ich musste mich desöfteren bremsen, um mein Pferd angesichts der noch vor uns liegenden Strecke nicht zu überfordern.

Doch zurück zur ersten Begegnung mit den Pferden: Elson, der Guide bzw. Scout, der uns zusammen mit Udi auf unserem mehrtägigen Trail begleiten sollte, wies uns die seiner Meinung nach zu uns passenden Pferde in Anbetracht unseres Gewichts und (Reit-)Kenntnisstand zu. Bianca, als Kind oft geritten, bekam "Macaco", einen schönen schwarzen Wallach. Martin, seit einem halben Jahr dabei, in der Schweiz das Western-Reiten zu erlernen, sollte sich mit "Leika", einer braunen Stute anfreunden. In meinem Fall zeigte Elson auf einen grossen cremefarbenen Wallach namens "Chocolate", der mir ob seiner Groesse gehörigen Respekt einflösste. Nachdem sich Pferd und Reiter im wahrsten Sinne des Wortes beschnuppert hatten und die Pferde von Elson aufgesattelt waren, sollte es endlich soweit sein... unser erster Ausritt stand an. Im vorerst gemächlichen Tempo ging es zu nahe gelegenen Wiesen und Weiden, wo wir unter Anleitung unserer Guides anfangs noch zaghaft die verschiedenen Gangarten Schritt, Trab und zu guter letzt auch den Galopp probierten. Mit schweissnassen Händen und pochendem Herz gab ich schliesslich dem Drängen von Choclate nach, eine Anhöhe mit leichter Steigung nach oben galoppieren zu wollen;

Wenn Ihr noch nie galoppiert seid, könnt Ihr Euch nicht vorstellen, was für einen Spass das macht. Du wirst eins mit dem Pferd und im Rausch der Geschwindigkeit, lässt die Dich umgebenden wunderschöne Landschaft an Dir vorbeiziehen. Ab diesem Moment waren alle Ängste verflogen und ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass Interessierte unter Euch ohne Vorkenntnisse überhaupt keine Bedenken zu haben brauchen. Ihr werdet wie ich, schnell Blut lecken und Euch wünschen, dass der Trail niemals zu Ende geht.

Ziel des ersten Ausrittes war es auch, festzustellen, ob Pferd und Reiter harmonieren. Immerhin sollten wir einige Tage zusammen unterwegs sein. Die Chemie zwischen Martin und Leika stimmte nicht 100%ig , so dass Martin am nächsten Übungstag ein anderes Pferd ausprobieren sollte. Bianca und ich verstanden uns auf Anhieb mit Macaco und Chocolate. Nach unserem Ausritt lernten wir eine Gaucho-Tradition kennen, die wir im Laufe unseres Trails noch sehr liebgewonnen haben...  `den Schnaps danach`...

Nach einem aufregenden Tag labten wir uns an dem reichhaltigen Buffet und ließen den Tag mit einigen Gläsern Rotwein ausklingen. Gott sei Dank standen uns für die Nacht zusätzliche Decken und ein Heizungsradiator zur Verfügung. Auch wenn uns Nicki mehr als einmal darauf hingewiesen hatte, daß es des Nachts im Hochland bitterkalt werden kann, wir mußten die Eiseskälte erst am eigenen Leibe erfahren, um ihr Glauben zu schenken. Hier in der Hochebene hatte der Spätherbst bereits Einzug gehalten.

Nach einer geruhsamen Nacht wartete am nächsten Morgen eine neue Erfahrung auf uns..das Kuhmelken direkt in eine Tasse Kaffee - dem sogenannten Carmargo. Bei Martin wollte es nicht so recht klappen, aber bei Bianca und mir konnte man den Eindruck gewinnen, wir hätten in unserem Leben bisher nichts anderes gemacht. Als wir gefrühstückt hatten, stand wieder ein Ausritt auf dem Programm. Und siehe da  bei Martin und seinem neuen Pferd, der weißen Stute Branca, war es Liebe auf den ersten Blick. Am Nachmittag ritten wir nochmals aus   nunmehr auch zusehends sicherer   und erkundeten die Umgebung der Faszenda.

Am Abend konnten wir es dann kaum erwarten, uns am nächsten Tag endlich auf unseren, langen Weg zu machen. Nur noch wenige Stunden trennten uns von unserem großen Abenteuer 

Mit Sack und Pack versammelten wir uns am Morgen bei den Ställen und staunten nicht schlecht, als wir erfuhren, daß man unser Gepäck nicht mit einem PKW zu den einzelnen Fazendas, sondern unsere Reisetaschen mit einem Packpferd befördert werden sollten. `Das arme Pferd` dachten wir uns angesichts unserer großen und schweren Taschen. Gott sei Dank paßte unser Gepäck nicht einmal annähernd in die für den Transport vorgesehen Satteltaschen, die dem Pferd umgeschürt werden sollten, so daß es dann doch bei der PKW-Variante blieb. Der Transport funktionierte im übrigen reibungslos wann immer wir abends auf den Fazendas eintrafen,..unser Gepäck war bereits vor Ort.

Am ersten Tag des Trails hatten wir die längste Etappe vor uns. 8 Stunden benötigten wir für unseren Ritt von der Fazenda Barreiro über die Fasenda Cascata (lecker Mittagessen!!) zur Fazenda Ferradura. Benjamin und seine Frau hatten wir vom ersten Moment an in unser Herz geschlossen. Ihre herzliche und gesellige Art machten den Aufenthalt bei ihnen zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Bis spät saßen wir bei Rotwein  - ja, ja sind in Brasilien richtig zu Weinliebhabern geworden - und klönten mit unseren Gastgebern mangels Sprachkenntnisse recht unbeholfen, aber dennoch nicht minder lebhaft.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, mein Hintern hätte mir abends nicht weh getan. Udi tröstete mich mit der Aussicht auf Linderung nach 2 Tagen. So recht konnte ich ihm nicht glauben, aber wie durch ein Wunder war der Muskelkater tatsächlich nach 2 Tagen verschwunden.

Nach einer kurzen Nacht setzten wir unsere Unterhaltung am Frühstückstisch fort und unternahmen anschließend mit dem Hund des Hauses, einem weißen Riesen, einen Spaziergang in die Umgebung der Fazenda.

 

Tja, dann hieß es nach dem Mittagessen Abschied nehmen. Schweren Herzens ließen wir die neu gewonnenen  Freunde zurück und brachen Richtung Fazenda Sao Joao auf.  Es sollte ein ganz besonderer, stimmungsvoller Trailabschnitt werden. Beim Genießen der imposanten Landschaft vertrödelten wir ordentlich Zeit, so daß uns auf einmal der Einbruch der Dämmerung überraschte. Diese Lichtverhältnisse waren für uns ungewohnt und Elson mahnte uns zur Eile. Da wir jedoch vom Pferd aus nicht mehr jedes Bodenloch oder Hindernis erkennen konnten, zogen wir es vor, nicht zu galoppieren. Unsere Pferde, um einiges sehstärker als wir,  waren aber trittsicher wie eh und je.  Wir hatten noch eine nicht unerhebliche Strecke zurückzulegen, als wir Zeuge eines atemberaubenden Sonnenunterganges wurden. Soviel Zeit mußte sein wir schossen ein Bild nach dem anderen und ließen dieses Naturschauspiel auf uns wirken. In diesem Moment war jeder von uns mit seinen Gedanken woanders und versuchte, sich diesen Moment für die Ewigkeit zu bewahren.

Auf der Fazenda Sao Joao angekommen, überraschten uns unsere Gastgeber mit einem Abendbrot,..nein so etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Uns wurden Speisen aufgetischt, die bestimmt 20 Leute satt gemacht hätten einfach Wahnsinn. Die Zimmer waren auch hier sehr gemütlich und in einem sehr geschmackvollen Biedermeier-Stil eingerichtet. 

Am Tag darauf traten wir so langsam die Heimreise an. Unser Weg führte wieder über die Fazenda Cascata, wo wir die Nacht verbrachten. Am Morgen darauf wurden wir Zeuge einer Ochsenschlachtung. Nun ja, genaugenommen hatte der Ochse bereits das Zeitliche gesegnet als wir die vielen Helfen beim Ausnehmen beobachteten. War schon interessant, zumal man als Stadtkind  so etwas  noch nie zu Gesicht bekommen hatte.

Der letzte Trailabschnitt zur Fazenda Barreiro stand heute auf dem Programm.
Mit großer Wehmut brachen wir auf und genossen die letzten Stunden unseres Trails. So richtig aufregend wurde es dann noch, als wir uns im wilden Galopp ganz wagemutig  zum Rindertreiben  bzw. -scheuchen hinreißen ließen.

Am Abend wurden wir mit einer sehr unterhaltsamen, bunten Folklore-Show über das Trail-Ende hinweggetröstet. Ein Pärchen   professionelle Tänzer   führten verschiedene traditionelle Tänze auf. Elson trug ein Gedicht vor, in dem er die Geschichte der Gauchos schilderte. Lustig war irgendwie, daß er bereits nach der ersten Zeile hängenblieb Text vergessen. Ja, ja..unser Elson. Seine Stärken liegen halt doch woanders ;) Anschließend spielte noch eine Band recht fetzige Gaucho-Mucke, zu der getanzt wurde. Mich erwischte es dann auch noch eine Brasilianerin mit norwegischen Wurzeln forderte mich auf und gab mir  Tanzmuffel Unterricht. Bianca hatte hingegen das Vergnügen, mit dem Patron das Tanzbein schwingen zu dürfen.  Es hätte keine schönere Abrundung unseres Trails geben können.

Mit vielen, vielen unvergeßlichen Eindrücken im Gepäck ging es am Montag dann zurück. Ich bin mir sicher, eines Tages zu diesem bezaubernd schönen Fleckchen Erde, den herzensguten Menschen und den Pferden zurückzukehren. Ein ganz dickes Dankeschön an alle, die mir dieses Abenteuer ermöglicht haben !!!