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Trendsportart & Lebensgefühl: Capoeira erlebt ein Revival

01.10.2018
Zwei Kinder kämpfen in Capoeira Runde in Imbassai

Brasilien als Trendsetter

Nicht nur Brasilien Reisenden ist Capoeira ein Begriff. Mittlerweile wird der sanfte Kampfsport weltweit betrieben und hat einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. In europäischen Großstädten trifft man bei einem Picknick im Park öfter mal auf eine Gruppe von capoeiristas. In Vereinen organisiert, weiß gekleidet und barfuß praktizieren sie ihren Sport, der eine Mischung aus Musik, Akrobatik, Tanz, Angriff und Abwehrbewegungen ist. Auch zahlreiche Fitnessstudios haben die Attraktivität der Capoeira für sich entdeckt und bieten Kurse an. Ob jung oder alt, weiblich oder männlich, mit Vorkenntnissen oder ohne, jeder Interessierte kann Capoeira aktiv ausüben. Was die Trendsportart aus Brasilien so einzigartig macht möchten wir Ihnen hier kurz näherbringen.

Das Wesen der Capoeira

Bei der Capoeira handelt es sich um einen akrobatischen Kampfsport, der aus drei wesentlichen Elementen besteht. Charakteristisch ist zum einen die Formation der Gruppe zu einem Kreis, der so genannten roda, in dessen Zentrum sich zwei Kämpfer begegnen.
Zum anderen spielt die musikalische Begleitung eine wichtige Rolle. Die capoeiristas, die den Kreis bilden, singen traditionelle Reime und spielen Instrumente wie berimbaú (hölzerner Musikbogen mit Klangkalebasse), atabaque (Fasstrommel) und pandeiro (Handtrommel).
Das dritte prägende Element der Capoeira sind die rhythmischen Bewegungen der beiden Akteure in der Kreismitte. Sie belauern sich, versuchen den Gegner zu lesen, seine Stärken und Schwächen aufzudecken, greifen an und wehren ab. Das geschieht in spielerischer Form. Tänzerische Drehungen und Sprünge, die von hoher Körperbeherrschung und Athletik zeugen, kommen zum Einsatz.

Heutzutage gibt es drei Stilrichtungen der Sportart. „Capoeira Angola“ entstand zu Zeiten der Sklaverei im brasilianischen Nordosten unter dem Deckmantel eines Spieles. Diese Variante zeichnet sich aus durch langsame Bewegungen in Bodennähe und das ausführliche Studieren des Gegenübers. Dazu getragen werden schwarze Hosen und gelbe Oberteile.
Die „Capoeira Regional“ wartet mit schnelleren Bewegungen auf, vor allem zur flinken Musik des berimbaú. Man kann den Stil als effizienter und weniger akrobatisch bezeichnen. Mit Aufhebung des Capoeira-Verbotes fiel die Notwendigkeit zur Tarnung als Spiel für diese modernere Version weg. Die Bekleidung ist weiß.
In der „Capoeira der Gegenwart“ vermischen sich beide Stilrichtungen.

Kurioses

Verschiedenfarbige Kordeln klären über das Können der einzelnen Kämpfer auf. Jeder Verein veranstaltet regelmäßig batizados (Gürtelprüfungen), bei denen neue Kordeln vergeben werden.

Die Capoeiristas nutzen apelidos (Spitznamen), um ihre Identität zu tarnen, ein Erbe aus der Zeit der Sklaverei.

Im Zentrum der Capoeira steht die malícia, wörtlich übersetzt „das Böse“. Diese Übersetzung ist irreführend. Gemeint sind die Fähigkeit die Beweggründe des Gegners zu erahnen und die „Verschlagenheit“ dies in den eigenen Vorteil umzumünzen.

Historische Entwicklung

Bereits aus dem 16. Jahrhundert gibt es erste Aufzeichnungen über Capoeira in Brasilien. Das Land gehörte damals zu Portugal. Zahlreiche Afrikaner wurden aus der ebenfalls portugiesischen Kolonie Angola nach Brasilien verschleppt, um den Sklavenhunger der Zuckerrohrplantagen zu stillen. Vor allem in Bahia wurden die Sklaven in Zwangsarbeit eingesetzt und waren unmenschlicher physischer und seelischer Gewalt ausgesetzt. Die Plantagenbesitzer unterdrückten jeglichen Individualismus und das Bewahren der afrikanischen Kulturen. Körperliche Züchtigung gehörte zum Alltag auf den Plantagen. So entwickelten die Sklaven die Capoeira, um ihre kulturelle Identität zu bewahren, körperlich fit zu bleiben und den Arbeitsdruck abzubauen, ohne offen aufzubegehren. Sie übernahmen dabei ihre traditionellen afrikanischen Rhythmen zur Tarnung der Kampfbewegungen als Tanz.

Bis 1937 Jahre blieb der Kampfsport in Brasilien offiziell verboten und capoeiristas wurden polizeilich verfolgt. Die Wende kam als der damalige Präsident Getúlio Vargas eine Vorführung zu sehen bekam und daraufhin die Capoeira zum brasilianischen Nationalsport erklärte. Es begann der stetige Aufstieg der Sportart, der 2014 in der Anerkennung durch die UNESCO gipfelte. Die „roda de capoeira“ gilt seitdem als „Weltkulturerbe der Menschheit“.

Ursprung des Wortes

Genauso vielseitig wie die Capoeira selber ist auch die Herleitung des Begriffs. Es existieren vier unterschiedliche Deutungen. Zunächst kann man Capoeira aus der angolanischen Bantu-Sprache ableiten, wo es für religiöse Riten, Tanz- und Kampfbewegungen steht.
Das portugiesische Wort „capão“ bedeutet „Hühnerkampf“ und verweist auf das niedere Ansehen der Sklaven als Vieh, das sich in gegenseitigen Kämpfen misst.
Ein weiterer möglicher Ursprung liegt in der Zoologie. In Brasilien beheimatet ist ein gleichnamiger Vogel, dessen Gesang die ersten capoeiristas in ihrer Musik imitierten.
In der Sprache der brasilianischen Indigenen, dem Tupi Guarani, bedeutet „caá-pûera“ soviel wie „gerodete Urwalddichtung“. Der Begriff beschreibt die versteckten Örtlichkeiten, an denen die Sklaven die Capoeira ausübten.

Bedeutung der Capoeira für die Gesellschaft

Schon immer war Capoeira mehr als bloße körperliche Betätigung. Für die Sklaven bot sie die Möglichkeit zum kurzzeitigen Ausbruch aus der Kolonialherrschaft. Auch in der heutigen Zeit hat sie die Macht, das Leben von Menschen positiv zu beeinflussen. ABADÁ Capoeira ist der nationale brasilianische Verein zur Förderung der Capoeira-Kunst mit Sitz in Rio de Janeiro. Diese übergeordnete gemeinnützige Vereinigung engagiert sich in unterschiedlichsten Projekten. Dabei dient die Capoeira als Werkzeug und Motivator zur Verbesserung der Lebensbedingungen. ABADÁ möchte ein Bewusstsein schaffen für die Bereiche Soziales, Umwelt und Bildung. Alle Informationen rund um die Capoeira werden hier gebündelt, Daten erhoben und Nachforschungen betrieben. Lehrer werden weiter- und Schüler ausgebildet.
In allen brasilianischen Staaten und in 58 Ländern auf fünf Kontinenten hat der Verein eine Repräsentanz. So trägt die Capoeira die brasilianische Kultur über die Landesgrenzen hinaus.

Vielleicht hat diese Lektüre Sie zu Ihrem nächsten Brasilien Urlaub inspiriert. Verbringen Sie doch den Tag der Capoeira, der jeden 3. August begangen wird, in Bahia, der Heimat der Trendsportart. Wir können Ihnen nur wärmstens einen Besuch in einer Capoeira Schule in Imbassai empfehlen. Dort werden benachteiligte Kinder umsonst unterrichtet, um sie für ein selbstbestimmtes Leben zu motivieren. Die Hälfte Ihres Beitrags kommt den Kindern direkt zu Gute!

Quelle: www.grupocapoeiranagoas.blogspot.com

Quelle: Aventura do Brasil