Brasilien und der Cachaca - Brasilien News

Mittwoch, 28. September 2016 10:00

Ein Blick auf Geschichte und Bedeutung des Zuckerrohrschnapses

 Cachaca Destillerie Paraty

Was den Deutschen ihr Bier ist, ist für Brasilianer der Cachaca. Auf Ihrer Brasilien Reise werden Sie bestimmt einmal dieser Spirituose begegnen, die im Caipirinha die Hauptrolle spielt. Die wenigsten wissen jedoch, dass es sich um den ältesten und traditionsreichsten Zuckerrohrschnaps der Welt handelt. Schauen wir einmal auf die Geschichte des glorreichen Getränkes.

 

Die Anfänge: 16. Jahrhundert

Kurz nach der Besiedelung Brasiliens durch die Portugiesen entdeckte man in Sao Vicente, gelegen im Bundesstaat Sao Paulo, die alkoholische Wirkung des gepressten Zuckerrohrsaftes. Die Namensgebung, ursprünglich „Cagaca“ , lehnt sich an das Wort „Bagaca“ an, was „ausgepresster Zuckerrohrstrang“ bedeutet.

 

Der Aufstieg: 16. bis 17. Jahrhundert

Historisch zurückverfolgen lässt sich, dass der Konsum des Schnapses auf den Sklavenfeldern seinen Anfang nahm. Nach und nach begannen immer mehr Zuckerfabriken Cachaca herzustellen, der sich schnell zu einem wertvollen Exportgut entwickelte. Damit wurde er zur Konkurrenz für den portugiesischen Zuckerrohrschnaps, den „Bagaceira“. Wir erinnern uns, dass Brasilien zu der Zeit Teil des portugiesischen Kolonialreiches war. Die portugiesische Krone verbot deshalb ab 1635 zeitweilig die Herstellung von Cachaca. Die anschließend folgende hohe Besteuerung mündete in der „Cachaca-Revolte“.

 

Die lukrativen Jahre: 17. bis 18. Jahrhundert

Der brasilianische Zuckerrohrschnaps boomte und wurde zu einer Schattenwährung der Portugiesen, um damit Sklaven aus Afrika einzukaufen. Noch heute bezeichnet man deshalb Cachaca auch als „Moeda velha“ (alte Währung).

 

Expansion in Brasilien: 18. bis 19. Jahrhundert

Die Produktion des Cachaca wurde in den späten Jahren der Kolonialisierung Brasiliens zu einer festen Größe. Mit der Entdeckung von Gold im Bundesstaat Minas Gerais begann dort eine eigene Herstellungstradition. Die erste große Hauptstadt des Cachaca jedoch ist Paraty, eine Kolonialstadt im Bundestaat Rio de Janeiro, in der zu Spitzenzeiten weit über 160 Destillerien die Spirituose herstellten.

 

Konsolidierung und Neuentdeckung: 19. bis 20. Jahrhundert

Nach der Unabhängigkeit Brasiliens im Jahre 1822 kam der Konsum von Cachaca, der auch als Symbol der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal galt, aus der Mode. Erst etwa 100 Jahre später besann man sich auf das traditionelle Kulturgut zurück, das fortan als hochwertige Spirituose galt. Dadurch entstanden neue Produktionszentren, unter anderem in der Stadt Januaria in Minas Gerais. Dort wurde qualitativ hochwertiger Cachaca hergestellt, jedoch ließ die Profitgier die Qualität einbrechen. Die Stadt Salinas löste Januaria als Zentrum der traditionellen Produktion ab. Kultmarken aus DSalinas sind Havana und Anisio Santiago.

 

Industrialisierung: 20. bis 21. Jahrhundert

Ab den 1950er Jahren begann die Industrialisierung der Cachaca-Herstellung. Große Fabriken setzten kontinuierliche Destillationsverfahren ein, was die Produktionskapazität vervielfachte. Dabei wurde Sao Paulo zum Zentrum der massenhaften Cachaca Produktion und Deutschland bald zum größten Exportmarkt. Anfang der 2000er Jahre, wurden etwa 1,5 Milliarden Liter Cachaca im Jahr produziert. Dadurch landete das hochprozentige Getränk auf dem dritten Platz der weltweit am meisten konsumierten Spirituosen, nach Wodka und Soju.

 

Comeback des Cachaca Artesanal: ab 2006

Trotz der Massenproduktion erinnerte man sich in Minas Gerais, Rio de Janeiro und Santa Catarina an traditionelle Herstellungsweisen, die einen Cachaca von herausragender Qualität zum Ergebnis haben. Dieser eignet sich nicht nur für den klassischen Caipirinha, sondern auch für besondere Cocktails und natürlich zum puren Genuss.

 

In Ihrem Brasilien Urlaub sollten Sie sich auf keinen Fall die Chance entgehen lassen, den Cachaca in seinen verschiedenen Qualitätsstufen auszuprobieren.

 

 

Quelle: http://www.cachaca-magnifica.de/index.php/de/

Quelle: (L-ADB)

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