Reisebericht von Daniela Maier - Juli 2006
Liebe Nicki,
so, also wie versprochen meld ich mich ab und zu. Du wolltest wissen, wies
mir so ergeht? Also bis Torres ganz Problemlos, dort hab ich mich direkt an
der Rodoviaria eingenistet. Ich war der einzige Hotelgast. Der Besitzer kann
sehr gut englisch, die Zimmer waren nicht schlecht, das Fruehstueck war auch
gut. Die Uebernachtung bekam ich fuer 20 Real. Mit Fernseher aufm Zimmer.
Der Inhaber heisst Olmiro, das Hotel Lagoa Hoteis e Turismo Ltda. Ich hab
mir am Morgen diese Steine, von denen ich dir erzaehlt habe, angesehen, sind
zwei Huegel, die den Strand unterbrechen und ihm ein tolles Flair geben.
Grossartig. Hat sich schon rentiert. Man kann auf beide Huegel steigen, ist
ein bissl anstrengend. Bei dem groesseren muss man ein bissl auf den Weg
schauen, da gibts komische pelzige Tiere, konnte nicht rausfinden wie sie
heissen, ziemlich gross sogar. Das Gestruepp sollte man meiden, hab dort
Schlangen gesehen, schwarz, nicht bestimmbar, sind abgehauen, und ich werd
den Teufel tun und ihnen nachduesen.
Naja, jedenfalls kann man gut surfen dort, und relativ viel sportlich
unternehmen, aber man sieht sich schnell satt an der Umgebung, die Stadt ist
schlicht und ergreifend haesslich. Ausserdem ist es voellig unmoeglich dort
an Geld zu kommen. Ich hab die falsche Kreditkarte.
Am Nachmittag bin ich nach Praia Grande gefahren, und von dort nach Cambara
do sul. Und das war echt genial!!! Uebrigens ab 17.7.2005 haben die dort ein
Reitspecial, falls du Zeit hast, das rentiert sich echt. Ich wollt dort
eigentlich reiten, hatt aber gar keine Zeit dazu, war tierisch beschaeftigt
Die Anreise von Praia Grande nach Cambara war lustig, man hat mir gesagt,
der Bus faehrt um 17:15, um 17:00 kam ich an, und musste mal du weist schon
was, und nachdem mir die sagten, dass der Bus erst um 15 nach faehrt, bin
ich also mal verschwunden, als ich wieder kam, war der Bus auch
verschwunden, ist mir vor der Nase davon, um 10 nach. Ich hab ziemlich doof
geguckt, und die netten Leute, die dort wohnen haben sich erstmal ueber mich
lustig gemacht. Haben gemeint, ich solle doch dorthin fliegen. Sehr witzig,
echt. Nachdem sie sich halb tot gelacht haben, hat mir einer angeboten, mich
fuer 10 Real meinem Bus hinterherzufahren. Hab ich angenommen, und 10 min.
spaeter haben wir den Bus eingeholt, und ich bin dort weitergefahren.
Als ich dann in der Pousada ankam, war ich so fertig, dass ich kein
Portugiesisches Wort mehr gewusst habe. Ich hab die Besitzerin blos
angestarrt, so etwa 1-2 Minuten lang. Da kam ihr Mann vorbei, der meinte ach
ja, ich haette ja heut morgen reserviert. Hab nur genickt. Wurde freundlich
ausgelacht und auf mein Zimmer gebracht. Hab bis dato noch immer nix gesagt.
Nach einer heissen Dusche fielen mir langsam wieder ein paar portugiesische
Worte ein, wie z.B. obrigada.
Warum ich so fertig war? Von der Rodoviaria bis zur Pousada sinds 2 Km und
ich depp hab gedacht, ach des geh ich doch schnell zu Fuss. Mit etwa 15 Kilo
aufm Buckel keine gute Idee, glaub mir.
An dem ersten abend kam ich genau richtig zum Abendessen, was glaubst du,
was es gab? Churrasco typico do Rio Grande do sul. Hab mich dann zu
deutschen Auswanderern an den Tisch gesetzt, war dann noch sehr lustig und
sehr spaet.
Naechster Tag Fruehstueck, ich bin gaanz frueh aufgestanden, hab mich dann
zu drei Herren gesetzt, damit ich nicht so alleine fruehstuecken muss. Die
haben mich gefragt, was ich machen will. Ich sag noch, ich will den
Itaimbezinho-canyon angucken. Da kommt der Besitzer der Pousada, redet kurz
mit den Herren, und schon sitz ich im Auto mit Ihnen und einem Fuehrer zum
Canyon Fortaleza.
Hab mich mit meinen doch noch sehr begrenzten Portugiesischkenntnissen
herrvorragend mit ihnen verstaendigen koennen, weil alle Worte, welche
fehlten mit begrenzten Englischkenntnissen ihrerseits aufgefuellt wurden,
und weil die fast grenzenlose Geduld mit mir hatten. Hab mit ihnen dann
abends noch den Canyon Itaimbezinho angeguckt, dort haben sie mich dann
ausgesetzt. Sie sind nach Torres weitergefahren, und ich bin mit dem Bus
wieder zurueck Richtung Pousada.
Dort hab ich den Pousadabesitzer gebeten, mir zu helfen, ich wollte den
Trilha Rio do Boi gehen, das ist den Fluss entlang Richtung Canyon
Itaimbezinho, man kommt bis ganz nah ran. Sind 7 Kilometer ueber lose Steine
und geroell, manchmal durch Gestruepp, braucht man einen Fuehrer, darf man
alleine nicht. Das hat mir der Mann brav organisiert, und ich hab mich gaanz
frueh auf den Weg nach Praia Grande gemacht, von dort aus gehts los. Mein
Fuehrer war eine Schau, erstmal ist er den ganzen Weg entlang mehr
gestolpert als gegangen, dann hat er alle Tiere verscheucht, eine Zigarrette
nach der anderen geraucht, und ist dann in den Fluss gefallen. Spaeter hat
er mich noch gefragt, wenn er sich jetzt was bricht, ob ich allein
zurueckfinde. Dabei hab ich den ganzen Weg gebetet, dass er sich nix bricht.
Der war ein ganz ein lieber, aber ein seltener Tollpatsch. Als wir dann nach
Hause fuhren, gabs noch Abstecher ueberallhin, wo irgendwelches Gemuese und
Obst verkauft wurde. Dann noch zu seinem Kumpel in den Obstgarten, dort hat
er dann sicher 20 Mandarinen verspeist und noch mehr mitgenommen. Den Rest
der Fahrt hat er geschlafen.
Mir gings uebrigens gut.
Der Name der Pousada war Corucacas, die Besitzer hiessen Roberto und
Beatrice. Die Nachbarfarm vermietet Pferde. Die Zimmer sind zauberhaft, und
beide Inhaber sind sehr geduldig, sprechen aber nur Portugiesisch.
Am naechsten Tag bin ich dann abgefahren, aber nicht nach Porto Alegre,
sondern nach Gramado und nach Canela. In Canela gibts einen ganz
zauberhaften Wasserfall, den kann man von allen moeglichen Seiten bewundern,
wermutstropfen: ungenuegende Busverbindungen, einer hin und einer zurueck,
und zum Aussichtspunkt gibts gar keinen. Naja.
Bei dem Wasserfall war ich sehr frueh am Morgen, war fast noch allein, alles
gaaanz ruhig. Ich geh also so langsam den Weg entlang, guck hier guck da und
steig doch fast auf eine Schlange drauf. Hab sie grad noch gesehen, die
wollt sich grad von der Morgensonne waermen lassen. Sie hat mich ganz
skeptisch und muede angeguckt, hat erst nicht gewusst wie sie reagieren
soll, nach dem zweiten Foto ist sie abgehauen. Hoffentlich wird das Foto
was. Hab dann noch schoene Schmetterlinge gesehen, Kaulquappen, komische Voegel.
Dann bin ich nach Curitiba gefahren. Am Busbahnhof ausgestiegen und ersmal
versucht einen Ausgang zu finden. Dann hab ich eine Dame am Zeitungskiosk
gefragt, wo es denn Busse in die Stadt rein gibt. Wurde ein bisschen
angemotzt, das wisse sie nicht, und ich solle doch zur Information. Sehr
witzig, da war ich naemlich schon, die war zu. Hab schliesslich doch aus dem
Busbahnhof rausgefunden und auch noch ziemlich schnell Haltestellen fuer
Busse gefunden, und mich dann noch nichteinmal verfahren, was sagt man dazu.
Ich kam also genau da an, wohin ich wollte. Bin dann ein bissl gewandert auf
der Suche nach einem Hotel. Hab mich schliesslich, weil ich zu faul war
weiter zu suchen in eine kleine Pousada einquartiert. Die Pousada ist
ziemlich grausig, aber fuer meine Zwecke ideal gelegen, gleich an der Rua
das 24 Horas und gegenueber von einem Internetladen.
Muss halt mit Schuhen duschen, im Stehen du weisst schon was und im
Schlafsack schlafen. Ungeziefer hab ich nicht gesehen. Die Uebernachtung
kostet 15 Real und die Lady ist sehr nett. Den Namen der Pousada nenn ich
besser nicht.
Hab am naechsten Morgen eine Stadtrundfahrt gemacht. Mit der Linha
Touristica. Ist recht nett, aber eine kalte Angelegenheit. Gibt tatsaechlich
ein paar sehr nette Plaetze in Curitiba. Die Stadt ist sogar relativ sauber,
liegt nicht viel rum. Hab abends dann zwei Jungen gesehen, die haben die
Muelleimer nach Papier und Dosen durchsucht. Sind von einem Muelleimer zum
naechsten. Das ist schon ein bisschen heavy, wenn man das als Europaeer so
sieht.
Einen Tag spaeter hab ich die Zugfahrt von Curitiba nach Morretes gemacht.
Am WE waeren sie nach Paranagua auch gefahren, aber mir gefaellt Curitiba
nicht, und nur wegen der Zugfahrt bleib ich nicht laenger. Hab ich mir also
Morretes angesehen. Um 8:15 fuhr der Zug los, um 11:45 waren wir in M. Auf
der Zugfahrt hab ich nichts gesehen, abgesehen von unglaublich dichtem Nebel
und ein bissl Gruenzeug. Morretes war eine sehr schoene kleine Stadt.
Ausserdem bin ich immer wieder ganz begeistert vom Anblick eines guten alten
VW-Kaefers. Bin durch die Stadt flaniert, ein bissl hier geguckt ein bissl
da, hab mir den Friedhof angesehen, danach bin ich noch essen gegangen (war
wieder viel zu viel). Das Restaurant war sehr gut, hab Spagetti gegessen (Ja
ich weis, wie interessant). Und wie brasilianisch, so richtig typisch. Hey,
mir war nach Spagetti, und das ist meine Reise!!!!! Ich hab noch niemals
Spagetti mit Lauchzwiebel gegessen, war aber gut.
Um 15:00 fuhr der Zug zurueck nach Curitiba und weisst du was? Der Nebel war
weg und es war eine grandiose Aussicht, die Sonne war so leicht am
Untergehen und ein leicht mysterioes wirkender Schleier war ueber den
Bergen. Heidanei, richtig schoen.
Kaum zurueck hab ich gleich am Busbahnhof meine Reise nach Foz do Iguaçu
gebucht, am Freitag mit dem Leito. Muss ich mal ausprobieren. Ging ganz
problemlos (abgesehen davon, dass ich mit Karte zahlen wollte, und das mal
wieder nicht ging, laestig!-Da hat man so ein Ding und was is, nada)
Gleich danach bin ich an den Schalter nebenan, weil ich fuer den folgenden
Tag eine Fahrt nach Paranagua hin morgens und abends zurueck buchen wollte.
Der Mann sass hinter zwei Glasscheiben, und ich hab ihn akustisch nicht
verstanden, bei Hintergrundlaerm geht das mit dem Portugiesischverstehen bei
mir nicht besonders gut. Schlieslich hat er mir den Computer so hingedreht,
dass ich reinschauen konnte, und hat dann mit dem Stift auf den Bildschirm
getippst, und ich hab genickt oder Kopf geschuettelt. So bin ich doch noch
zu meiner Fahrt gekommen.
So, und das war heute. Heute war ich in Paranagua. Ich fand die stadt ein
bissl heruntergekommen, die bauen da grad, sind gross am machen,
entsprechend laut isses auch. Die Faehrenabfahrten zur Ilha do Mel sind zu
unguenstigen Zeiten, wenn man nicht grade dort Uebernachten will, was sehr
schoen sein soll, aber ich hab ja das Zimmer in Curitiba, also ergo: Kein
Ilha do Mel besuch fuer mich. Dafuer bin ich ins etnologische Museum
gegangen. War recht schoen. Eine alte Jesuitenschule umgebaut, sehr schoen
restauriert, von aussen siehts echt Sch... aus, aber innen, Hut ab, echt
schoen.
Danach war ich noch essen, meine Eltern anrufen und bummeln. Haett mir fast
einen neuen Rucksack gekauft, aber mein alter tuts ja noch.
Dann wollt ich meine Ruhe haben und einfach mal nur aufs Meer starren. Tja,
die maennliche Dorf (Stadt)jugend sah die Sache anders und wollte unbedingt
mit mir quatschen. Da hatte ich Angst, dass ich jetzt meinen zweiten
Heiratsantrag kriege und bin abgehauen. (Meinen ersten Heiratsantrag bekam
ich, du erinnerst dich sicher noch, ich hab dir davon erzaehlt, am Strand
von Estaleiro, dort gefiel es mir uebrigens sehr sehr gut, und Alejandro ist
echt ein Schatz, richte ihm liebe Gruesse aus, seiner Familie auch!!!)
So, nu bin ich wieder in Curitiba fuer meine letzte Nacht hier, morgen pack
ich meine Sachen in die Aufbewahrung am Busbahnhof, und werd wahrscheinlich
noch in den Zoo gehen, vorausgesetzt ich finde den Bus dorthin. Und nachts
gehts ab nach Foz do Iguaçu. Heut hat ich noch einen extrem leckeren Hot
Dog, und eine Zigarrettenschachtel mit echt greislichem Bild drauf. Du
kennst den Witz mit :"Impotenz, nein Krebs ist mir lieber, geben Sie mir die
andere Schachtel bitte". Makaber Makaber.
So, ich meld mich in zwei drei Wochen wieder. Alles liebe, ich hoffe, du
hast deinen Hund wiedergefunden!!!
Liebe Gruesse auch an deinen Mann
Daniela 07.07.2005
- Reisebericht Teil 2 -
Liebe Nicki,
also, mein letzter Tag in Curitiba fing nicht schlecht an, ich hab
ausgecheckt, bin zu dem Geldautomaten in der Rua das 24 Horas und konnte
problemslos Geld abheben, was mit Mastercard ja nicht immer klappt! Ich
glaub, ich haette eine Visa gebraucht, gibt hier mehr Visaautomaten, weiss
aber nicht obs besser geht, jedenfalls hats diesmal bestens geklappt. Bin
dann zum Busbahnhof, hab meinen Rucksack in eine Aufbewahrung gegeben, und
bin erstmal gemuetlich fruehstuecken gegangen. Hab einen Americano gegessen,
Fleisch auf Toast mit Ei, Schinken und ein bissl Salat und Pommes. War
lecker, aber fettig wie alles hier, manchmal frag ich mich muss man alles in
Fett tauchen?!? Aber sonst, das Essen war schon gut. Dann bin ich in den Zoo
von Curitiba gegangen, weil ich ja bis 22:00 Uhr auf meinen Bus (Leito) nach
Foz do Iguaçu warten musste, und nur an der Rodoviaria rumhaengen, nee, des
is nix, ist zwar hier nicht gefaehrlich, aber laut, kalt und ungemuetlich.
Hab ich also erstmal nach dem richtigen Bus aus der Stadt raus gesucht, und
diesen nach etwa 20mal fragen zwei Blocks weiter gefunden. Dann eine halbe
Stunde Fahrt, zwei Stationen zu frueh ausgestiegen, nochmal eingestiegen
(bin zu frueh raus, weil ich jemanden gefragt hab, obs noch weit ist, und
der sagte ich soll gleich hier aussteigen.) und bis Endstation gefahren.
Dann Bus gewechselt, nochmal 20 min. gefahren, und direkt am Zoo angekommen.
Musste keinen Eintritt zahlen. [b]Die hatten Voegel hier, ich haett nie
geglaubt, dass es sowas in echt gibt, sahen aus wie Computeranimationen.
Unglaublich. [/b]Sie hatten auch alle Arten von Eulen und Papageien, Harpyien,
Tiere aus umliegenden Staaten, hauptsaechlich Tiere aus Suedamerika, aber
natuerlich auch einen Loewen und einen Tiger und ein Zebra.
Sehr interessant war eine Ausstellung von ausgestopften Tieren und
aufgebauten Tierskeletten jener Tiere, die hier im Zoo ihr Leben liessen.
Sehr interessant sogar! Kostete nix und war am Gelaende.
Hab dort im Zoo zwei Brasilianerinnen kennengelernt, die waren ganz
verzweifelt, weil die Batterien des Fotoapparates ihren Geist aufgegeben
hatten. Haben meine bekommen, waren gluecklich und wir sind zusammen weiter
durch den Zoo gelaufen.
Zurueck an der Rodoviaria hab ich erstmal was gegessen. Dann ein Bierchen
getrunken, dann einen Caffee getrunken, dann einen Kuchen gegessen, tja, mir
war ganz schoen langweilig bis 22:00 Uhr.
Eines ist auffaellig, die reisen hier vermehrt ueber Nacht, die Rodoviaria
war ploetzlich voll. Man konnte kaum zu seinem "Gate".
Der Leito war angenehm, ist zwar keine richtige Liegeflaeche, aber
annaehernd, man kriegt eine Decke und ein Kissen (meines verschwand, als ich
kurz auf Toilette ging, ich glaub, das Kind hinter mir hats brauchen
koennen, das hatte ploetzlich zwei! Macht aber nix, ich brauch eh keines und
wenns nur ein Kissen ist, passt das schon). Hab mich also haueslich
eingerichtet, Ohrstoepsel rein und Augenbinde aufgesetzt (Ohrstoepsel und
Augenmaske moecht ich hier nicht missen, echt nicht!) Und schon hab ich
geschlafen bis morgens. Schwupps, nach 10 Stunden Fahrt war ich in Foz.
So, wohin jetzt. Hatte kein besonders gutes Gefuehl hier, also raus aus der
Stadt!!! Hab mich in der Jugendherberge auf dem Weg zu den Cataratas
eingenistet heisst Paudimar, ist sehr sauber (die putzen hier staendig rum,
ist aber bei sovielen Leuten unvermeidlich), Uebernachtung fuer ein
Nichtmitglied der Herbergen betraegt 21 Real mit Fruehstueck. Die Herberge
ist quasi ein Hotelkomplex, man kann sich hier komplett versorgen, fand ich
grossartig, denn die Stadt selbst ist nicht ganz so geheuer. Kostet aber ein
bissl mehr, als wenn man draussen einkauft. Man kann seine Waesche hier
waschen lassen, 24 Stunden spaeter kommt sie trocken wieder. Internet ist
gratis, man traegt sich halbstundenweise fuer einen der 2 PC's ein. Das
Personal ist sehr freundlich, ueberfaellt einen aber fast mit Angeboten, was
man machen kann. Die Herberge verdient nicht schlecht daran, und wenn man
hier alles organisieren laesst, zahlt man manchmal mehr, aber man hat auch
weit weniger Aerger und Komplikationen, also zahl ich lieber mehr.
Wieviele Tage bleibt man am besten in Foz, das war eine meiner Hauptfragen.
Ich bin 4 Uebernachtungen geblieben, das ist zu lang. Die meisten blieben
eine oder zwei Uebernachtungen. Das ist zu kurz. Drei Uebernachtungen hier
sind ideal, um alles ohne Stress anzugucken, und auch was anderes zu machen,
als nur Wasserfaelle anzuschauen (Welche nu wirklich gewaltig sind!!Der
Iguaçu-Fluss ist an vielen Stellen etwa 60 Meter tief und meist etwa 20
Meter breit, das ist unvorstellbar viel Wasser).
So, erst mal Tag eins, bin also ins Hostel eingecheckt, hab auf meinem
Zimmer gleich eine ebenfalls alleinreisende Deutsche, sogar noch aus Bayern
getroffen, und erst meinten wir, wir machen alles zusammen, aber ihre und
meine Vorstellungen waren sich nicht im geringsten aehnlich, da sind wir
dabei geblieben, uns abends zum Erfahrungsaustausch zusammenzusetzen und ein
paar Bierchen zu schluerfen.
An der Info gibts einen Schreibtisch, da organisieren sie alles, was man
will, ich hab fuer die naechsten Tage nur eine Tour nach Argentinien
gebucht, und einmal Raften (die Argentinientour wollt ich selber
organisieren, aber ich hab ein bissl rumgefragt, selber organisieren is
nicht ratsam, die haben die Fremden lieber im Block. Fuer einzelne machen
sies komplizierter, absichtlich, also hab ichs von der Jugenherberge
organisieren lassen).
Nachdem ich also beides gebucht hatte, hatt ich einen ganzen Nachmittag
Zeit, bin ich gleich losgefahren. Ist ganz einfach, mit dem kostenlosen
Shuttlebus zur Hauptstrasse, von dort weiter mit dem Nationalparkbus (1,85
Real).
Angekommen an einem riesigen Komplex, hatte Glueck, wenig Leute. Das
Infomaterial gleich am Anfang ist nicht schlecht, ganz okay. Dann gehts
weiter mit dem Bus zu 4 verschiedenen Stationen. Ich bin als erstes zu den
Faellen, letzte Haltestelle. Man folgt einem betonierten Weg und hat viele
verschiedene Blicke auf unglaublich viele herrliche Wasserfaelle, gross,
klein, teils so gewaltig, dass das Wasser wieder nach oben prallt und dichte
Nebel bildet. Das Wasser hat eine komisch gelbliche Farbe wenn es
herabstuerzt. Im Fluss selber sieht es roetlich aus (Eisen).
Man geht also diesen Weg entlang, wie eine Einbahnstrasse, am Schluss hat
man noch zwei gewaltige Einblicke, einen von unten und einen von oben auf
zwei verschiedene Faelle. Ja, und das wahrs. Schoen, sehr sehr schoen, aber
recht kurz.
Hatte ich also noch Zeit uebrig, Eintritt war 20 Real, die muss man
ausnutzen. Bin mit dem Bus zurueck Richtung Eingang und an der vorletzten
Station ausgestiegen. Da stand, man koenne im Wald ein bissel wandern. Ich
bin hin und hab gefragt, aber nein, ohne Guide darf ich nicht (mal wieder).
Hab ich also gefragt, was ich noch machen kann, es war naemlichschon drei,
und die Sonne is hier um 5:30 Uhr weg.
Antwort, oberhalb der Faelle eine [b]Bootstour, Kajakfahren und im Wald eine
kleine Lagune besuchen.[/b] (105 Real)
Hab ich hin und herueberlegt, hab mir gedacht, bist blos einmal da.
Bin froh, dass ichs gemacht hab. Mein Guide war ausgezeichnet, das
Spaetnachmittagslicht fantastisch, hab Schwaerme von kleinen Papageien
gesehen, und die Insel (Ilha das Papageios), wo sie schlafen(krass, dass so
schoene Voegel so graesslich kreischen koennen), hab auch einige Alligatoren
(Jacaré) gesehen und mehre Tukane (Tucano). Und wunderschoene weisse
Fischreiher (Garça branca). Der Fluss Iguaçu ist sehr schoen, und ich
glaube, es ist schade, dass nur sehr wenige Turisten ihn begutachten.
Die haben hier so aufblasbare Kajaks, sind gut zu lenken, aber man wird
nass, und des is eine verdammt kalte Angelegenheit, so gegen abend, wenn die
Sonne weg ist.
Die Lagune im Wald hat einen kleinen Beobachtungsturm, ich waere gerne
laenger geblieben, aber es wurde schon dunkel. Also wieder zurueck.
Ich bin bis zur Jugendherberge zurueckgebracht worden, weils sehr spaet war,
wir waren die letzten, die den Park verliessen.
Dann, angekommen, wollt ich eine gaaanz heisse Dusche, mir war sehr sehr
kalt. Und was war, nix war, kein heisses Wasser, lediglich so lauwarm,
Haarewaschen war grausam. Das sollte man wissen, heisses Wasser ist hier oft
eine Raritaet. Vor allem in den Jugendherbergen. Aber man kann ja nach
heissen Duschen fragen, bevor man in ein Hotel eincheckt. Hab ich meistens
gemacht, und wenns nicht heiss war, bekam ich ein anderes Zimmer mit heisser
Dusche, não hà uma problema, man muss es nur sagen.
Naja, in der Jugendherbe hab ichs auch gesagt, die haben mich eher
verspoettelt.
Bin dann gleich ins Bett, war so kalt.
Tag zwei in Iguaçu:
Aufgestanden, gefruehstueckt, gee-mailt, gewartet.
Um 8:30 Uhr wollten wir losfahren, aber leider waren nicht alle puenktlich,
und der Busfahrer war sehr sehr lustig (mir unsympathisch). Dann sind wir
noch einkaufen gefahren (wegen der Waehrung! Man kann mit Real zahlen,
bekommt den Wechsel aber in argentinischer Waehrung und zu deren
Wechselkurs, hab aber trotzdem dort ein Eis gegessen und jetzt ein paar
argentinische Muenzen.), und schliesslich endlich auf die argentinische
Grenze zugefahren, wo wir zwei Stunden gewartet haben.
Wir sind erst Mittag dort angekommen, und dieser Nationalpark ist viel
groesser als der brasilianische NP. Hat mich geaergert, hab auch in der
Jugendherberge bescheid gesagt, dass 8:30 losfahren viiieel zu spaet ist,
haben aber nur mit den Schultern gezuckt. Vielleicht sollte man doch selber
alles organisieren und gegen sechs Uhr losfahren?
Naja, bin ich also da, ich und 1000 andere Menschen (ach ja, ist ja Sonntag,
und Ferien in Brasilien). Gut, dass es hier einen etwas abgelegenen
Waldwanderweg gibt, den man (man hoere und staune) ohne Guide gehen kann.
Sind hin und zurueck 7 km (Trilha Macuco), und die lohnen sich echt. Gibt
zwar laestige Moskitos, aber dafuer hab ich eine Affenfamilie gesehen, sind
ueber mir von Ast zu Ast und haben froehlich vor sich hingefressen. Kleine
flinke Voegelchen (keine Kolibris), komische Saeugetiere ohne Schwanz (weiss
noch immer nicht was das fuer Tiere waren, noch nie gesehen) und am Ende des
Weges ein kleiner natuerlicher Swimmingpool, hatte leider keinen Badeanzug
an.
Danach bin ich die Iguaçu-Faelle anschauen gegangen, es war schon etwas
spaeter, und wesentlich weniger Leute. Ich bin den oberen Weg, der zur
Garganta Diablo fuehrt, nicht gegangen. Soll zwar der allerschoenste
Eindruck der Faelle sein, aber ich wollte lieber auf die Insel San Martin
(kostenloses Shuttleboot), und das hab ich auch nicht bereut, gab Eidechsen,
Tukane, verschiedene wunderschoene Voegel, viele Regenbogen an versch.
Stellen und sehr sehr schoene Wasserfalleindruecke. Auf diese Insel sollte
man nicht verzichten. Ist zwar ein bissl steil bis nach oben, aber wir sind
ja alle Sportler.
Auf dem Rueckweg (wir sollten um 5 wieder am Bus eintreffen und zum
Dreilaendereck Brasilien-Argentinien-Uruguay weiterfahren) bin ich noch in
die falsche Richtung gefahren (die NP`s sind so gross, dass im Brasil. ein
Shuttlebus zu den einzelnen Spots faehrt, und im Arg. ein kleiner Zug),
statt zum Ausgang, Richtung Diablo-Schlucht, aber kann ja mal passieren,
kein Problem, ich war sogar noch eine von den ersten.
Fazit: dieser Park ist fast schoener als der brasilianische, aber dafuer hat
der den besseren Ueberblick und die schoeneren Schmetterlinge. Leider hab
ich zuwenig Zeit im argentinischen NP gehabt, aber wenn man "nur" die Faelle
sehen will, dann reicht die Zeit schon.
Tag drei in Foz:
Montag, der Park ist Vormittags zu, d. h. ich hab ewig ausgeschlafen.
Nachmittags nur einen Hubschrauberrundflug gemacht, sauteuer, aber ich war
noch nie in einem Helikopter, daher wars mir das Geld wert. Nur wegen der
Faelle haett ichs nicht gemacht (obwohl die schon gewaltig aussehen, so von
oben!!!).
Und dann, Hunger Hunger Hunger! In der Jugendherberge gabs Sandwich, recht
lecker, und ebenso fettig wie gut (man gewoehnt sich schnell an das viele
Fett). Hab dann noch Billard gespielt (die Spiele hier in der Herberge sind
umsonst) und das Pantanal geplant.
Tag vier in Foz:
Gaaanz frueh aufgestanden, zum Park gefahren, wieder Eintritt bezahlt (man
kann schon viel machen im Park, aber man muss jedesmal den Eintritt zahlen,
alle Aktivitaeten starten im Park!! - sehr schlau), irre viele Menschen. Bis
zur Endhaltestelle mitgefahren, ausgestiegen und mich bei der Rafting und
Rapelling Basis angemeldet. Die haben mich gleich sehr freundlich empfangen,
und mir den Weg in den Canyon gezeigt (ganz schoen viele Stufen), geht ganz
unbuerokratisch und wirklich fix, warten muss man auch so gut wie nie (hat
mich sehr ueberrascht, wie wenig man hier auf Sachen warten muss, man muss
sich so gut wie nie vorher irgendwo anmelden, mal abgesehen von der Zeit, in
der die Brasilianer Urlaub haben). Dann wurde mir gezeigt wies geht
(Englisch), andere waren auch da, die bekamen ihre Instruktionen in
portugiesisch. (war recht witzig, weil der Guide die Kommandos beidsprachig
rufen musste, hat aber gut geklappt)
Ja, Helm auf, Lifejacket an und losgehts, erstmal sind wir getestet worden,
ob wirs begriffen haben, und dann gings ab in die Stromschnellen. Sehr
lustig, des hupft schon ganz gewaltig. War aber leider nur sehr sehr kurz,
kaum 5 Minuten Rafting. Den Rest der Zeit (2 Stunden insgesamt) sind wir
einen ruhigen Iguaçu-Fluss abwaertsgetrieben, was zugegeben wunderschoen
war, wir durften sogar im Wasser schwimmen, was ich auch gemacht habe, ich
bin langsam hinter dem Boot hergeschwommen, und konnte die Welt nach den
Faellen begutachten, wunderschoen.
Tja, und dann pitschelpatschelnass eine Treppe hoch, vom Jeep zur Basis
zurueckgebracht worden (selbst wenn man ausdruecklich zu Fuss gehen will,
man wird jeden halben Meter gefahren, fast wie in den USA, schrecklich),
dort in die Toilette, umgezogen mit etlichen anderen pitschenassen Turisten,
und dann ab zurueck in die Herberge, hab meine Kleidung abgegeben, und von
der Herberge meine Fahrt per Omnibus nach Campo Grande organisieren lassen.
Das haett ich mal besser selbst gemacht. Hab mich naemlich faul bedienen
lassen, und die Dame von der Jugendherberge hat nicht nach einem Direktbus
gefragt. Wusst ich nicht, bin also von der Rodoviaria losgefahren, nix
boeses ahnend, und um 22:00 Uhr unsanft geweckt worden, "wer nach Campo
Grande will muss hier aussteigen", ich seh mich um, hoppla, ich bin mitten
im Nirgendwo, na prima, meine Faulheit hat mir das eingebrockt. Steig ich
also aus und warte, und warte, und warte. Der Bus kam nicht. 2 aus Israel
und 2 aus Irland leisteten mir Gesellschaft. Mann, waren die sauer. [b]Da wurd
mir erst so richtig bewusst, wie wichtig Portugiesischkenntnisse (wenigstens
rudimentaere) hier sind.[/b] Ich konnte naemlich fragen was los ist. Ein Bus
musste zwei Strecken abdecken, weil ein anderer ausgefallen ist. Na also,
wenigstens wusst ich dass der Bus kommen wird. Und er kam dann auch, so
gegen halb zwei. Dann gabs noch ein kleines Gepaeckproblem, der Kofferraum
des Busses war naemlich schon voll. Aber man kann ja ein bissl mit Gewalt
stopfen, dann geht das schon. Ich war sehr froh, dass nach fast vier Stunden
frieren und warten und warten und frieren die Fahrt endlich weiterging. Hab
dann bis etwa 10 geschlafen, als die beiden aus Irland wissen wollten,wann
wir denn endlich ankommen, Antwort: um drei. Tja, ist ein bissl spaet, um
sich fuer eine Tour (der unglaublich vielen) ins Pantanal zu entscheiden.
Ich war muede vom Busfahren (alles in allem warens 17 Stunden Reisezeit),
ausserdem haben sich wildfemde irgendwelche Touren anpreisende Maenner auf
mich gestuerzt, was ich gar nicht leiden kann. Und ich hab mir inzwischen
eine gewaltige Erkaeltung mit Fieber, Halsweh und Kopfweh zugezogen (das ist
die Schuld der lauwarmen Duschen in Foz gewesen!!!)
Also hab ich mich entschieden, alles abzuwimmeln, erstmal das Krank
auszukurieren und mir von einer Agentur helfen zu lassen. Wobei?
Naja, du (ja, du Nicki bist gemeint) hast mir einen Floh ins Ohr gesetzt, mit deiner
Barranco alto Fazenda!! Pfui sag ich da nur. Hab also Impacto fuer mich
versuchen lassen, die Fazenda anzurufen, nachdem ichs bereits seit
eineinhalb Wochen vergeblich versucht habe. Waehrend die da rumtelefoniert
haben bin ich mit Vitaminen im Bett geblieben und hab ferngesehen und
geschlafen und gehustet und geniest.
Am naechsten Tag gings mir schon wieder einigermassen, und ich hab mich
nachmittags auf den Weg gemacht, um zu fragen, ob sie die Fazenda erreicht
haben.
Damits spannend bleibt brech ich jetzt ab, und in zwei Wochen gibts wieder
mehr von mir zu hoeren.
Liebe Nicole, hier ist es echt fantastisch und keinen Tag langweilig, war
auch schon fast zwei Wochen taeglich reiten, aber davon spaeter mehr.
Liebe Gruesse
Daniela 29.07.2005



