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Gewaltige Welle im Amazonas

09.03.2016
Sonnenuntergang am Amazonas

Pororoca: das große Grollen und die Mega-Welle

Wer sich im europäischen Frühjahr auf einer Brasilien Reise am Amazonas befindet, hat die große Chance, Zeuge eines spektakulären Naturschauspiels zu werden. Jedes Jahr zwischen Februar und Mai, am Ende der Regenzeit, entsteht im Atlantik eine gigantische Welle, die sich ihren Weg kilometerweit flussaufwärts bahnt. Bis zu vier Meter Höhe erreicht das Wasser, während es sich wie eine Lawine den Amazonas hinaufschiebt. Die Massen überspülen Hütten und Stege, reißen Bäume und Kanus mit und bringen selbst große Boote zum Kentern. Für viele Surfer beginnt damit die Jagd nach der perfekten Welle.

Das laute Grollen, mit dem sich das Spektakel ankündigt, wird von den Ureinwohnern in der Sprache der Tupi-Indianer „Pororoca“ genannt. Übersetzt bedeutet dies „großer Lärm“. Durch die Geräuschkulisse alarmiert, hat man in der Regel dreißig Minuten Zeit, die Uferzone zu verlassen. Es ist angeraten, sich deutlich über hundert Meter von der Mega-Woge fern zu halten. Doch wie entsteht das Phänomen überhaupt? Bedingt durch die Gezeiten, sprich die extremen Pegelstände bei Voll- und Neumond, bewegt sich eine enorme Wassermenge direkt vom Atlantischen Ozean in die Flussmündung. Da der Amazonas nur ein geringes Gefälle aufweist, kann sie extrem weit vorrücken, bis sie irgendwann ihre Kraft verliert. Das Wasser erreicht Geschwindigkeiten von bis zu fünfundsechzig Kilometern pro Stunde und entwickelt eine massive Kraft, die alles, was sich ihr in den Weg stellt, schluckt.

Doch wer jetzt denkt, das Schauspiel schade Flora und Fauna des Amazonasgebietes, der irrt. Das Gegenteil ist der Fall. Die Natur hat sich hervorragend an die Gegebenheiten angepasst. Die gewaltige Wassermenge trägt dazu bei, dass der Amazonas-Strom nicht versandet. Sie bringt fruchtbaren Schlamm, mit denen die Ackerbau betreibenden Ureinwohner ihre Felder düngen. Auch die Tierwelt spürt, was auf sie zukommt und bringt sich rechtzeitig in Sicherheit. Das vielfältige Leben im Amazonas ist nicht in Gefahr, sondern nur für einige Minuten in Aufruhr.

Seit 1997 mischt die Surf-Szene mit im Geschehen am Amazonas. Der Traum eines jeden Surfers, denn wo sonst kann man zwanzig Minuten lang auf einer einzigen Welle reiten? So ist es kaum verwunderlich, dass sich die Besten der Welt treffen und in Wartestellung gehen. Es muss auf Anhieb gelingen, die Welle zu erklimmen. Wer sie verfehlt, muss Tage oder gar Monate auf die nächste warten. Ganz ungefährlich ist es nicht, denn oft werden Äste oder Bäume mitgespült. Auch vor Alligatoren, Anakondas und Piranhas muss man auf der Hut sein. Doch selbst diese Schikanen tun dem Andrang beim jährlichen „Pororoca Surf Championship“ in Sao Domingos da Capim keinen Abbruch. Beeindruckendes gelang dem Brasilianer Picuruta Salazar: siebenunddreißig Minuten lang surfte er mit der Welle, wobei er über zwölf Kilometer zurücklegte. Die Zahl der Schaulustigen wächst beständig. Zuletzt strömten mehr als zweitausend Teilnehmer, Zuschauer und Journalisten in den kleinen Ort, um das Event mitzuerleben. Es gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten Attraktionen der Region und ist eine ausgefallene Idee für den nächsten Brasilien Urlaub.

Quelle: portalsaofrancisco.com.br

Quelle: (L-ADB)