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Karneval 2018 in Rio auf Sparflamme?

17.10.2017
Karnevalswagen in Rio

Öffentliche Gelder für Samba Schulen radikal gekürzt

Der Höhepunkt vieler Brasilien Reisen ist unzweifelhaft der Karneval am Zuckerhut. Auf Grund wirtschaftlicher Probleme hat der Bürgermeister von Rio de Janeiro nun entschieden, den staatlichen Etat der Samba Schulen um die Hälfte zu kürzen. Von der Umverteilung öffentlicher Gelder sollen vor allem Schulen und Kindergärten profitieren. Karneval und Bildung werden damit zu Gegenspielern erklärt. Dass dem nicht so ist, schauen wir uns am Beispiel der Samba Schule Mangueira an. Vorab schon die Entwarnung an alle Karnevalisten unter den Lesern. Es wurden bereits Mittel und Wege gefunden, um auch 2018 die Paraden im Sambodrom prächtig gestalten zu können.

Die Favela Mangueira liegt in der Nähe des Maracana Fußball Stadions und ist Heimat der traditionsreichen gleichnamigen Escola de Samba (Samba Schule). Im Jahr 1928 gegründet, hat die Schule neunzehn Meistertitel errungen, die zweithöchste Anzahl in den Annalen Rios. Mangueira engagiert sich neben dem Karneval in vier Projekten, um die Lebensbedingungen der Favela Bevölkerung zu verbessern.

Das „Projeto Segundo Tempo da Educacao“ (Projekt Zweite Halbzeit Schule) bietet Nachhilfestunden und Begleitunterricht, um den regulären Schulunterricht der Kinder vom ersten bis zum fünften Schuljahr zu ergänzen. Individuelle Schwierigkeiten sollen überwunden und der Lernfortschritt aller Schüler garantiert werden. Schwerpunkte sind Portugiesisch und Mathematik. Veranstaltungsort ist das Gelände der Samba Schule.
Die Nachwuchs Samba Schule „Mangueira do Amanha“ (Mangueira von Morgen) wurde von der Sängerin Alcione ins Leben gerufen. Heute ist sie Ehrenmitglied. Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 17 Jahren treffen dort zusammen. Voraussetzung ist eine verbindliche Einschreibung. Das Tanztraining findet zeitversetzt zum Schulunterricht statt. Schüler, die morgens in der Schule lernen, tanzen nachmittags und umgekehrt.
In Zusammenarbeit mit der Faetec (Fundacao de Apoio a Escola Tecnica, Stiftung zur Schulung technischer Berufe) wurde ein Computer Zentrum eingerichtet, mit dem Ziel allen Bewohnern der Favela den Zugang zu digitalen Medien zu erleichtern. Zehn Computer können kostenlos genutzt werden. Ehrenamtliche Helfer stehen Erstnutzern erklärend zur Seite und unterstützen bei der Arbeitssuche im Internet und dem Verschicken von Lebensläufen. Die Kooperation zwischen Samba Schule und Faetec eröffnet Jugendlichen zudem einen Einstieg in die Arbeitswelt. Friseur, Maler, Installateur und Elektriker zählen zu den Berufen, die in Kursen erlernt werden können.
Vor 25 Jahren wurde die „Vila Olimpica da Mangueira“ (Olympische Stadt Mangueira) geschaffen. Dieses Sozialprogramm möchte Armut, Ungleichheit und Ausgrenzung entgegenwirken. Finanzielle Mittel stehen kaum zur Verfügung. Dagegen werfen unzählige Freiwillige ihr Engagement in die Waagschale. Gerade in der Anfangszeit ohne bestehende Infrastruktur und Ausrüstung leisteten sie Erstaunliches. Organisierte sportliche Aktivitäten sollen die Teilnehmer zu mündigen und aktiven Bürgern ausbilden. Leichtathletik, Basketball, Fußball, rhythmische Sportgymnastik, Schwimmen, Boxen und Gewichtheben stehen auf dem Plan. Speziell auf Rentner und Behinderte zugeschnittene Maßnahmen sind ebenfalls Teil der Vila Olimpica da Mangueira. Die UNESCO lobte das Programm in einem Report für herausragende Leistungen in den Bereichen Kultur, Gesundheit, Bildung, Berufsausbildung und soziale Inklusion.

Ist ein „Entweder oder“, ein „Karneval contra Bildung“ also wirklich im Sinne der Menschen? Vielmehr scheint eine für Rio de Janeiro charakteristische und über lange Jahre gefestigte Balance zu bestehen. Der Karneval nimmt und gibt gleichermaßen. Einerseits ist er ein teures Vergnügen, andererseits schafft er Lichtblicke und zieht zahlungskräftige Besucher an.

Das sehen wohl auch Unternehmer in Rio so und Brasilien Urlauber können aufatmen. Spenden aus der Privatwirtschaft in Höhe von umgerechnet circa 1,7 Millionen Euro (Stand Oktober 2017) sollen in die Kassen der Samba Schulen fließen. Die pompösen Karnevalsparaden im Sambodrom werfen für 2018 wieder ihre schillernden Schatten voraus. Komme was da wolle, das Motto von Mangueira steht: „Com dinheiro ou sem dinheiro, eu brinco“, „Ob mit oder ohne Geld, wir feiern“.


Quellen: www.mercadoeeventos.com.br, www.mangueira.com.br

Quelle: Aventura do Brasil