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Reisebericht von David Osterloh aus Berlin

Reisebericht Gauchotour Trailritt Südbrasilien vom 01.05.-08.05.2006

Nach einer mehr oder weniger langen Aklimatisierungsphase in Estaleiro wurden wir am Morgen des 01.05. von Max und seinem VW-Bulli zum Busbahnhof von Balneario Camburio gebracht. Die 5 ½-stündige Fahrt ins Landesinnere verging dank des komfortablen und klimatisierten Reisebusses, einiger Pausen und der abwechslungsreichen Landschaft schneller als befürchtet. In Lages angekommen wurden wir abgeholt und zur Fazienda Barreiro gebracht. Der Empfang war an Herzlichkeit kaum zu überbieten. Der Patrone, Laílo, und seine Frau hiessen uns höchtspersönlich willkommen und luden erst einmal zu Kaffee und Kuchen ein.

Wenn Ihr noch nie galoppiert seid, könnt Ihr Euch nicht vorstellen, was für einen Spass das macht. Du wirst eins mit dem Pferd und im Rausch der Geschwindigkeit, lässt die Dich umgebenden wunderschöne Landschaft an Dir vorbeiziehen. Ab diesem Moment waren alle Ängste verflogen und ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass Interessierte unter Euch ohne Vorkenntnisse überhaupt keine Bedenken zu haben brauchen. Ihr werdet wie ich, schnell Blut lecken und Euch wünschen, dass der Trail niemals zu Ende geht.

Nach einem aufregenden Tag labten wir uns an dem reichhaltigen Buffet und ließen den Tag mit einigen Gläsern Rotwein ausklingen. Gott sei Dank standen uns für die Nacht zusätzliche Decken und ein Heizungsradiator zur Verfügung. Auch wenn uns Nicki mehr als einmal darauf hingewiesen hatte, daß es des Nachts im Hochland bitterkalt werden kann, wir mußten die Eiseskälte erst am eigenen Leibe erfahren, um ihr Glauben zu schenken. Hier in der Hochebene hatte der Spätherbst bereits Einzug gehalten.

Am Abend konnten wir es dann kaum erwarten, uns am nächsten Tag endlich auf unseren, langen Weg zu machen. Nur noch wenige Stunden trennten uns von unserem großen Abenteuer 
Mit Sack und Pack versammelten wir uns am Morgen bei den Ställen und staunten nicht schlecht, als wir erfuhren, daß man unser Gepäck nicht mit einem PKW zu den einzelnen Fazendas, sondern unsere Reisetaschen mit einem Packpferd befördert werden sollten. `Das arme Pferd` dachten wir uns angesichts unserer großen und schweren Taschen. Gott sei Dank paßte unser Gepäck nicht einmal annähernd in die für den Transport vorgesehen Satteltaschen, die dem Pferd umgeschürt werden sollten, so daß es dann doch bei der PKW-Variante blieb. Der Transport funktionierte im übrigen reibungslos wann immer wir abends auf den Fazendas eintrafen,..unser Gepäck war bereits vor Ort.

Nach einer kurzen Nacht setzten wir unsere Unterhaltung am Frühstückstisch fort und unternahmen anschließend mit dem Hund des Hauses, einem weißen Riesen, einen Spaziergang in die Umgebung der Fazenda.

Auf der Fazenda Sao Joao angekommen, überraschten uns unsere Gastgeber mit einem Abendbrot,..nein so etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Uns wurden Speisen aufgetischt, die bestimmt 20 Leute satt gemacht hätten einfach Wahnsinn. Die Zimmer waren auch hier sehr gemütlich und in einem sehr geschmackvollen Biedermeier-Stil eingerichtet. 
Am Tag darauf traten wir so langsam die Heimreise an. Unser Weg führte wieder über die Fazenda Cascata, wo wir die Nacht verbrachten. Am Morgen darauf wurden wir Zeuge einer Ochsenschlachtung. Nun ja, genaugenommen hatte der Ochse bereits das Zeitliche gesegnet als wir die vielen Helfen beim Ausnehmen beobachteten. War schon interessant, zumal man als Stadtkind  so etwas  noch nie zu Gesicht bekommen hatte.
Der letzte Trailabschnitt zur Fazenda Barreiro stand heute auf dem Programm.
Mit großer Wehmut brachen wir auf und genossen die letzten Stunden unseres Trails. So richtig aufregend wurde es dann noch, als wir uns im wilden Galopp ganz wagemutig  zum Rindertreiben  bzw. -scheuchen hinreißen ließen.
Am Abend wurden wir mit einer sehr unterhaltsamen, bunten Folklore-Show über das Trail-Ende hinweggetröstet. Ein Pärchen   professionelle Tänzer   führten verschiedene traditionelle Tänze auf. Elson trug ein Gedicht vor, in dem er die Geschichte der Gauchos schilderte. Lustig war irgendwie, daß er bereits nach der ersten Zeile hängenblieb Text vergessen. Ja, ja..unser Elson. Seine Stärken liegen halt doch woanders ;) Anschließend spielte noch eine Band recht fetzige Gaucho-Mucke, zu der getanzt wurde. Mich erwischte es dann auch noch eine Brasilianerin mit norwegischen Wurzeln forderte mich auf und gab mir  Tanzmuffel Unterricht. Bianca hatte hingegen das Vergnügen, mit dem Patron das Tanzbein schwingen zu dürfen.  Es hätte keine schönere Abrundung unseres Trails geben können.
Mit vielen, vielen unvergeßlichen Eindrücken im Gepäck ging es am Montag dann zurück. Ich bin mir sicher, eines Tages zu diesem bezaubernd schönen Fleckchen Erde, den herzensguten Menschen und den Pferden zurückzukehren. Ein ganz dickes Dankeschön an alle, die mir dieses Abenteuer ermöglicht haben !!!