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Indigene Völker in Brasilien

06.08.2014
Indianische Holzfigur

Das Leben der brasilianischen Urbewohner

Brasilien ist für seine Völkermischung und der daraus hervorgegangenen großen kulturellen Diversität bekannt, die viele Brasilienbegeisterte zu einer Brasilien Reise motiviert. Die brasilianische Bevölkerung ist ein ethnisches Mosaik, dessen Ursprünge auf die Mischung portugiesischer Kolonisatoren, afrikanischer Sklaven, Emigranten aus Deutschland, Italien und Japan und den brasilianischen Ureinwohnern, den Indios zurückgeht. Auch heute lebt noch eine Vielzahl ethnischer Gruppen der Urbewohner in Brasilien, obwohl ihre Anzahl stark rückläufig ist. Am 9. August wird weltweit der internationale Tag der indigenen Völker gefeiert, um die Menschheit für deren Rechte und die Notwendigkeit des Schutzes dieser im Einklang mit der Natur lebenden Gemeinden zu sensibilisieren. Die globale Bewegung will die Naturvölker in ihrem Streben nach kultureller, ethnischer und sozialer Anerkennung in ihrem eigenen Lebensraum unterstützen.

Laut einer Auflistung des sozioambientalen Instituts ISA leben in Brasilien über 230 indigene Völker, die sich wiederum in weitere kleine Kommunen aufteilen und die 180 verschiedenen Sprachgruppen angehören. 2010 wurden über 800.000 brasilianische Urbewohner gezählt, was 0,4 Prozent der brasilianischen Gesamtbevölkerung ausmacht. Wissenschaftlern zufolge leben etwa 350.000 in geschützten Gebieten. Manche der eingeborenen Völker bestehen aus weniger als 40 Angehörigen und es gibt viele Stämme, die vom Aussterben bedroht sind. Die Guarani-Indianer gehören mit 51.000 Mitgliedern zum größten indigenen Volk Brasiliens. Die Volkszählung der brasilianischen Urbewohner wird von dem Brasilianischen Institut für Geografie und Statistik (IBGE) erfasst und von verschiedenen Organisationen durchgeführt, deren Aufgabe die Erforschung und der Schutz der Eingeborenen Brasiliens ist. Der Großteil der indigenen Stämme Brasiliens lebt mit 60 % im Amazonasgebiet und den Bundesstaaten Acre, Mato Grosso, Tocantins, Amapa, Rondonia, Para, Roraims und Maranhao, Gebiete, in denen sich viele Urlauber während ihrer Brasilien Reise aufhalten. Fast ein Drittel der brasilianischen Urvölker lebt heutzutage in urbanen Zentren von Brasilien.

Schon bevor die Europäer Südamerika entdeckten und die Portugiesen Brasilien kolonisierten, lebten die brasilianischen Urbewohner bereits seit mehreren Jahrhunderten im fünft größten Land der Welt. Zu den ersten Bewohnern Brasiliens gehören unter anderen der indigene Stamm Kaingang und die Guarani-Indianer. Sie blicken auf eine lange Geschichte und Tradition zurück. Ihre Kultur hat sich aus dem Umgang der sie umgebenden Natur entwickelt. Vor der portugiesischen Eroberung im Jahr 1500 soll es schätzungsweise fünf Millionen Ureinwohner in Brasilien gegeben haben. Die Zahl der indigenen Völker in Brasilien ist rückläufig. In den 60er Jahren wurde mit 200.000 die bisher niedrigste Zahl erreicht. Die Mehrheit der Indios Brasiliens befindet sich in einem ständigen Kampf um ihre Landrechte und die Anerkennung ihrer Indianer-Territorien (IT). Derzeit werden 674 IT´s im ganzen Land gezählt, die von der Regierung Brasiliens anerkannt werden. 98,5 Prozent der indigenen Territorien befinden sich im Amazonasgebiet, obwohl die Hälfte der Ureinwohner Brasiliens außerhalb vom Amazonas leben. Die oft fehlende Länderregulierung führt zu Konflikten mit Landspekulanten, Holzfällern, Großgrundbesitzern und anderen Invasoren.

Die nationale Behörde zum Schutz der indigenen Bevölkerung in Brasilien FUNAI (Fundacao Nacional do Indio) wurde 1967 von der brasilianischen Regierung gegründet, um sich für die Rechte der brasilianischen Urbewohner einzusetzen. Die Indigene Bevölkerung Brasiliens zählt neben dem Regierungsorgan aber auch mit der Unterstützung diverser nationaler und internationaler NGO´s. Brasilianische und internationale Indianerschutzorganisationen unterstützen die Eingeborenen im Kampf um ihre Landrechte und helfen bei der Sicherung der medizinischen Versorgung. Sie bieten Schutz vor ansteckenden Krankheiten im Kontakt mit der restlichen Bevölkerung Brasiliens, denn für viele der im Urwald zurückgezogen lebenden indigenen Völker kann eine einfache Grippe tödliche Folgen haben. In der Vergangenheit wurden bereits ganze ethnische Gruppen durch Grippe-Epidemien und Maserninfektionen vollständig ausgerottet. Es gibt im brasilianischen Dschungel immer noch Indios, die zurückgezogen und ohne jeglichen Kontakt zu anderen Zivilisationen leben und mit denen es bisher keinen Kontakt zu den brasilianischen Behörden besteht. Diese werden von Ethnologen auf 46 geschätzt. 12 isoliert lebende Völker wurden von der FUNAI bestätigt. Eine Gruppe der bislang isoliert lebenden Ureinwohner Brasiliens wurde Ende Juni diesen Jahres in Nordbrasilien entdeckt. Der Stamm war Ethnologen bereits bekannt, bisher gab es jedoch keine direkte Kontaktaufnahme zu ihnen. Am Envira-Fluss, an der Grenze zu Peru, wurden die ersten Kontakte mit der Außenwelt und die Begegnung mit einem anderen indigenen Stamm, den Ashaninka, dokumentiert. Brasilianischen Experten zufolge besteht die Gruppe aus etwa 50 Stammesmitgliedern. Sie sprechen eine Variante der Pano-Sprachen. Die brasilianische Indianerbehörde bestätigte, dass die Ureinwohner vor gewaltsamen Angriffen aus Peru geflüchtet sind, vermutlich vor Holzfällern. Brasilianische Wissenschaftler sind nun dabei, mehr über die Lebensbedingungen dieser Stammesgemeinde zu erfahren, um sie und ihre Umwelt besser schützen zu können.
Mittlerweile gibt es in Brasilien auch Ethno-Tourismus, bei dem Reisende in ihrem Brasilien Urlaub indigene Gemeinden besuchen können und einen Einblick in deren Lebensweise zu bekommen.

Quellen: www.brasilienportal.ch; www.tagesspiegel.de; www.welt.de; www.latina-press.com; www.survivalinternational.de

Quelle: (nu-adb)