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Touristenflut im beliebten Urlaubsparadies Ilha Grande

22.09.2014
Strand der Ilha Grande in Brasilien

Nachhaltiges Reisen und sanfter Tourismus auf der Ilha Grande in Brasilien

Die an der Ostküste vom Bundesstaat Rio de Janeiro liegende Insel Ilha Grande gehört zu einem aus 187 Inseln bestehenden Archipel und ist eine der beliebtesten Urlaubsdestinationen auf Brasilien Reisen. Die immer grüne und blühende Insel ist vom atlantischen Regenwald bedeckt und mit 113 paradiesischen Stränden und sieben Buchten bestückt, was sie seit Jahren zu einem absoluten Urlaubsparadies für Brasilien Reisende macht. Doch die 193 Quadratkilometer große Insel ist seit dem enormen Anstieg der Besucherzahlen in den letzten Jahren sehr klein geworden.

Das attraktive Angebot der Ilha Grande, die Teil des Tamoios Naturschutzgebietes ist, lockt für einen Brasilien Urlaub mit einem Mix aus Aktivität und Entspannung: einsame Buchten mit türkisfarbenem Wasser, das zum Tauchen und Schnorcheln einlädt, ein Nationalpark mit zahlreichen Wanderwegen und großer Biodiversität und auf den dem offenen Meer zugewandten Stränden, lassen große Wellen Surferherzen höher schlagen. Doch in den letzten Jahren kam es in der Region der Costa Verde (grüne Küste) zu einem besorgniserregend hohen Anstieg der bisherigen Besucherzahlen: an sonnigen Tagen erreichen bis zu 20.000 Touristen die Ilha Grande - knapp das Dreifache der Einwohnerzahl, denn die Insel beherbergt in etwa 7.000 Bewohner. Der Besucheransturm ist vor allem an den Wochenenden hoch und mittlerweile nicht mehr nur in der Hochsaison, sondern das ganze Jahr über.
Inselbewohner beschweren sich über Wasserknappheit, ein prekäres Abwassersystem und Müllberge, die von den Touristen nach der Abreise auf der Insel zurückgelassen werden. Lokale Händler weisen darauf hin, dass sich auch das Touristenprofil in den letzten Jahren verändert hat. Restaurant- und Strandbarbesitzern zufolge, werden die gastronomischen Einrichtungen von den Urlaubern zwar genutzt, das Konsumverhalten der Gäste jedoch sei nur sehr gering. Auch die Anzahl nicht registrierter Straßenverkäufer ist in den letzten Jahren unkontrolliert angestiegen.

Die Gemeinde und lokale Behörden untersuchen nun die Möglichkeiten, eine begrenzte Besucherzahl einzuführen, bzw. eine bessere Verteilung der Gäste auf der Insel, denn bisher hält sich die Mehrheit der Urlauber im Zentrum von Abraao auf. Die Stadtverwaltung von Angra dos Reis, der Bezirk, zu dem Ilha Grande gehört, vermutet, dass der gestiegene Besucheransturm mit den gesunkenen Bootspreisen zusammenhängen könnte und dem großen Angebot an Uhrzeiten, zu denen diverse Boote von mehreren Ablegestellen aus zur Insel fahren. Mittlerweile führen so viele unterschiedliche Agenturen die Überfahrt zur Ilha Grande durch, dass jegliche Kontrolle über deren Anzahl verloren gegangen ist. Das Tourismusinstitut von Angra dos Reis (TurisAngra) führt nun gemeinsam mit der Stadtverwaltung von Mangaratiba und Paraty eine Auflistung und Registrierung aller Schiffe und Boote durch, die von den drei Bezirken aus zur Ilha Grande fahren, denn die Zahl der Überfahrten muss eingeschränkt werden, um einem weiteren unkontrollierten Touristenansturm auf der Insel entgegen zu wirken. Die Vorsitzende von TurisAngra, Sílvia Rubio, geht von 200 Booten aus, die täglich Überfahrten von Angra dos Reis nach Ilha Grande durchführen. Das Tourismusinstitut ist dabei, eine Höchstzahl an Überfahrten festzulegen sowie eine Tourismussiegel einführen.

Die Aufsichtsbehörde des öffentlichen Transportdienstes (Agetransp) hat am 6. September eine Tourismusgebühr für den Besuch der Insel eingeführt, die 2012 eingestellt wurde. Auch die Überfahrten von Mangaratiba und Angra dos Reis aus zur Ilha Grande wurden von 4,80 Reais auf 14,80 Reais erhöht. Laut Angaben von Agetransp kam es zwischen März und Dezember 2012 zu einem Besucheranstieg von 42,5%, nachdem die höheren Bootstarife an den Wochenenden erlassen wurden. Inselbewohner und Arbeiter können mit einem Ausweis den Transfer weiterhin kostenlos nutzen.
Auch die Stadtverwaltung von Angra dos Reis und die Inselbewohner suchen bereits seit längerer Zeit nach Lösungsansätzen für eine Besucherkontrolle: das bundesstaatliche Umweltinstitut (Instituto Estadual do Ambiente-Inea) informiert, dass bereits seit zwei Jahren eine Studie über die Infrastruktur von Ilha Grande von Spezialisten durchgeführt wird, welche bei der Aufstellung eines geeigneten Models zur Besucherkontrolle beitragen soll. Die Studie befindet sich in der Endphase und wurde von Vertretern der lokalen Gemeinden, der Stadtverwaltung von Angra dos Reis und der bundesstaatlichen Regierung begleitet. Darüber hinaus stehen auch infrastrukturelle Maßnahmen auf der Prioritätenliste. So soll zum Beispiel das Abwassersystem verbessert werden, denn bisher gibt es keine Kläranlage und das Abwasser über einen Unterseeauslass ins Meer ausgestoßen.

Es wird auch geprüft, inwieweit man sich bei der Besucherkontrolle an dem Modell der im Nordosten von Brasilien liegenden Inselgruppe Fernando de Noronha orientieren kann, wo ein rigoros kontrollierter Naturschutz nur eine festgelegte Urlauberanzahl am Tag erlaubt. Der große Unterschied zur Ilha Grande besteht allerdings darin, dass Fernando de Noronha etwa 500 Kilometer weit von der Küste entfernt liegt und daher überwiegend mit dem Flugzeug erreicht wird. Dies erleichtert die Besucherkontrolle. Ilha Grande entgegen befindet sich nur etwa zehn Kilometer vom Festland entfernt und kann zudem von mehreren Stellen aus mit dem Boot erreicht werden, auch von Privatbooten. Auch die Anfahrt zur Ilha Grande ist deutlich kürzer: mit dem gewöhnlichen Besucherbooten erreichen die Touristen in 45 Minuten die Insel, mit dem Schnellboot sind es nur 15 Minuten.

Die lokalen Behörden versprechen schnellst möglichst Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen, damit die Ilha Grande weiterhin ein Urlaubsparadies sowohl für Einheimische, als auch für Gäste aus aller Welt auf Brasilien Reisen ist. Die immer grüne Insel ist definitiv ein Besuch bei einem Brasilien Urlaub wert.

Quelle: (nu-adb)